Auf dem Vormarsch zur Volkskrankheit: Depressionen am Arbeitsplatz

Depressionen nehmen als Ursache für eine befristete oder unbefristete Arbeitsunfähigkeit eklatant zu und verdrängen die bisher auf Platz eins dieser unrühmlichen Liste stehenden Rückenbeschwerden. Der dadurch entstehende volkswirtschaftliche Schaden ist immens und die persönlichen Auswirkungen bei Betroffenen sind oftmals fatal. Dabei ist die individuelle Entstehung dieser ernst zu nehmenden psychischen Erkrankung nicht immer klar. Notwendige therapeutische Behandlungen finden entweder gar nicht statt oder spät statt. Grund genug, einen Blick auf die Hintergründe zu werfen.

Die Ursachen sind vielfältig

Ein scheinbar selbstsicher handelnder Manager wird plötzlich arbeitsunfähig. Die Kollegin am Schreibtisch fängt unvermittelt zu weinen an. Beide haben wahrscheinlich gemeinsam, dass sie durch eine depressive Erkrankung aus ihrem Alltagstrott herausgerissen werden. Eine weitere Übereinstimmung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass sie vorher nicht davon berichtet haben und Mitarbeitern und Vorgesetzten nichts aufgefallen ist. Auslöser für eine Depression können private Probleme wie Liebesentzug oder Trauerfall, zunehmend häufiger aber auch die Umstände am Arbeitsplatz sein. Mobbing durch Vorgesetzte oder Mitarbeiter sowie Konkurrenzdruck und ständige Überforderung stellen die Hauptgründen zur Entstehung einer Depression dar. Zu wenige Ruhepausen, neue Technologien und eine ständige Erreichbarkeit können dazu ebenfalls beitragen. Mit der Zeit ergreift den Betroffenen eine andauernde Niedergeschlagenheit, Antriebsarmut und Lustlosigkeit. Eine quälende innere Leere ergreift den Beschäftigten und bewirkt Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst. Vor allem in hierarchisch strukturierten Berufen ist die sogenannte Ellenbogenmentalität besonders ausgeprägt, um den Mitarbeiter als Konkurrent zu benachteiligen.

Verlauf und Auswirkungen von Depressionen am Arbeitsplatz

Bestehende Depressionen werden nach wie vor viel zu oft nicht erkannt, tabuisiert oder bagatellisiert. Obwohl die Betroffenen auch aus diesen Gründen ihre depressiven Beschwerden möglichst geheim halten möchten, sind Depressionen aufgrund bestimmter Symptome zu erkennen. Dazu zählen:

• Erhöhte Nervosität und Unruhe
• Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungsabfall
• Äußerungen über Schuldgefühle
• Müdigkeit und Gereiztheit
• Reduzierung sozialer Kontakte wie gemeinsames Kantinenessen, Kaffee trinken oder Betriebsfest

So lange wie möglich versucht der depressive Beschäftigte die beruflichen Leistungsvorgaben zu erfüllen und sich nichts anmerken zu lassen. Aufgrund wachsender Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Auswirkungen durch Medikamente ergeben sich in der Regel Einschränkungen der Arbeitsqualität. Das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl des erkrankten Arbeitnehmers wird dadurch noch mehr vermindert. Krankmeldungen sind in der Folge unvermeidbar. Eine nicht erkannte und unbehandelte schwere Depression kann zum Verlust des Arbeitsplatzes und im Einzelfall bis zum Suizid führen. Im Falle einer langfristigen Behandlung mit Antidepressiva führen die Nebenwirkungen häufig zu massiven Einschränkungen der notwendigen Fähigkeiten zur Berufsausübung. Ein frühzeitiges Erkennen von Symptomen durch Vorgesetzte und Mitarbeiter sowie das Ansprechen des Betroffenen können hilfreich sein. Ein Zusammenwirken mit der Personalvertretung, dem Betriebsarzt und sozialen Ansprechpartnern sowie situationsabhängig mit Familienmitgliedern oder nahen Angehörigen ist vorteilhaft. Dadurch können möglicherweise die Auslöser für die Erkrankung beseitigt werden.

Möglichkeiten zur Therapie und Vorbeugung

Zahlreiche Behörden und Betriebe informieren mittlerweile über Gefahren durch Mobbing, Burn-out-Syndrom und depressive Erkrankungen vor dem Hintergrund zunehmender Krankheitsfälle. Verhaltensanweisungen für Vorgesetzte und Beschäftigte und einzelne Verfahrensschritte für den Fall einer festgestellten Erkrankung innerhalb dieses Spektrums sind dabei Gegenstand eines betrieblichen oder behördlichen Gesundheitsmanagements. In der Verantwortung von Vorgesetzten liegt es, auf Überforderungssymptome zu achten und keinen zu hohen Leistungsdruck zu erzeugen. Positive Erfahrungen haben viele Beschäftigte mit einem Sportangebot des Arbeitgebers als Ausgleichs- und Stressabbaumöglichkeit gemacht. Die Ausübung einer Entspannungstechnik wie Yoga, autogenes Training oder Muskelentspannung nach Jakobson kann ebenso eine unterstützende Hilfe im Rahmen vorbeugender Maßnahmen sein. Um einen dauerhaften Nährstoffmangel zu vermeiden, ist eine gesunde Ernährung ebenfalls empfehlenswert.