Ehrlichkeit im Bewerbungsgespräch: Pflicht oder Leichtsinn?

Vorstellungsgespräch

Sich um eine Stelle zu bewerben, ist fast immer mit großer Anspannung verbunden. Dies liegt an dem mitunter großen Konkurrenzkampf, der zwischen den einzelnen Bewerbern besteht. Sofern die eingereichten Unterlagen überzeugt haben, geht es meist rasch in die nächste Runde, ins Vorstellungsgespräch. Viele Menschen sind der Ansicht, dass es in dieser Situation vor allem darum ginge, sich von seiner besten Seite zu präsentieren, die gestellten Fragen unumwunden zu beantworten und auch persönlich eine gute Figur zu machen. Nicht wenigen Bewerbern ist im Eifer des Gefechts jedoch bewusst, dass auch Enthusiasmus Grenzen kennt. Denn einer der größten Fehler bei Vorstellungsgesprächen besteht darin, Personalern gegenüber nicht ehrlich zu sein. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann lesen Sie aufmerksam weiter!

Besser ist die Wahrheit

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass gewisse Informationen, wie etwa ein ungewöhnlich langes Studium oder häufig wechselnde Arbeitgeber, einem Bewerber mitunter negativ ausgelegt werden können. Allerdings wäre es fatal, deswegen zu meinen, man könnte durch das Weglassen relevanter biographischer Informationen problemlos über etwaige Mängel hinwegtäuschen. Dies soll freilich nicht bedeuten, dass man grundsätzlich immer die Wahrheit sagen müsste, denn in bestimmten Fällen kann es durchaus besser sein, bestimmte Dinge zu verschweigen. Vielmehr geht es darum, innerhalb eines abgesteckten Rahmens den richtigen Mittelweg zu finden, dabei jedoch immer offen und ehrlich zu bleiben. Denn Eines muss klar sein: Personaler sind keine Einfallspinsel und erkennen in der Regel recht schnell, ob jemand versucht, ihnen einen Bären aufzubinden.

Lügen haben kurze Beine

Das Problem mit Lügen ist, dass sie meist schön klingen, zunächst durchaus positive Effekte zur Folge haben, am Ende jedoch fast immer böse für die betroffene Person enden. Von diesem Grundsatz sind auch Bewerbungsgespräche nicht ausgenommen. Deswegen ist es wichtig, der Versuchung zu widerstehen, sich durch Täuschung gegenüber Mitbewerbern einen Vorteil auf die angestrebte Stelle zu verschaffen. Wem dies bereits schwerfällt, sei gewarnt: Selbst wenn eine solche Strategie zum Erfolg führt und man tatsächlich eingestellt wird, werden Lügen früher oder später doch immer ans Licht kommen. Dies liegt daran, dass Bewerber, die sich selbst Qualitäten zuschreiben, über die sie in Wahrheit gar nicht verfügen, nahezu zwangsläufig in Situationen geraten, in denen man genau in diesen Bereichen Leistungen von ihnen erwartet. Können sie dann jedoch nicht liefern, fliegt der Schwindel meist auf, was immer zu einer Blamage führt, nicht selten aber auch eine fristlose Kündigung nach sich ziehen kann.

Lügen bleiben Lügen, haben aber unterschiedliche Gründe

Ganz egal, ob es nur um kosmetische Veränderungen der Biographie oder gleich um das Erfinden ganzer Lebensabschnitte geht – Lügen bleiben Lügen. Tückisch ist auch, dass abstrakte Risiken, wie die Gefahr, durch unredliches Verhalten später doch noch gefeuert zu werden, nur die wenigsten Leute wirklich abschrecken. Dieses Phänomen kann man übrigens auch bei Rauchern beobachten: Sie alle wissen, dass Zigarettenkonsum gesundheitsschädlich ist, aber dennoch hören die meisten von ihnen erst auf, nachdem sie bereits krank geworden sind. Dass es dann aber oftmals schon zu spät ist, ändert schließlich auch nichts mehr daran, dass mittelbar drohende Gefahren praktisch niemals als Bedrohung empfunden werden. Interessanterweise liegen dem Lügen in Bewerbungsgesprächen aber fast immer unterschiedliche Motive zugrunde. Dabei sind oft die z.T. immens hohen Anforderungen ausschlaggebend, die Unternehmen mittlerweile an Bewerber stellen und vielen von ihnen bereits Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben dürften. Gerade jüngere Bewerber geraten schnell unter Druck, da man von ihnen nicht nur Fachkompetenz, sondern auch Berufserfahrung erwartet, über die sie der Natur gemäß nur bedingt verfügen können.



Deswegen besteht einer der beliebtesten Fehler darin, dass eigene Profil durch Anpassungen zu frisieren. Was für Ergebnisse dabei schlussendlich herauskommen, hängt sowohl von der Kreativität als auch von den Skrupeln einer Person ab. Die Erfahrung hat gezeigt, dass manche Bewerber die eigene Biographie bereits um ganze Etappen erweitert haben, während andere lediglich ein wenig an den zeitlichen Rahmen absolvierter Stationen schrauben, um etwaige Durststrecken zu kaschieren. Aber auch zahlreiche Unternehmen nehmen es mit der Ehrlichkeit nicht immer so genau, was routinierten Arbeitssuchenden hinlänglich bekannt ist und bei manchen von ihnen für ein Absenken der Hemmschwelle gesorgt haben dürfte.

Ehrlichkeit ist gut, kann aber auch schlecht sein

Zwar ist es empfehlenswert, sich an den Grundsatz zu halten, dass Aufrichtigkeit prinzipiell etwas Gutes ist, doch gibt es durchaus auch Fälle, in denen man sich besser zurückhalten sollte. Natürlich, in Hinblick auf die eigene Biographie macht es kaum Sinn, Dinge zu erfinden, da etwaige Lügen – wie oben erwähnt – hier später in der Regel besonders schnell auffliegen. Trotzdem sollten Sie sich merken, dass es besser sein kann, in folgenden Themen besonders darauf zu achten, was man preisgibt.


  1. Fragen zur Arbeitssuche: Wie gesagt, sind Fragen zur diesem delikaten Thema vor allem dann vorprogrammiert, wenn zwischen der Tätigkeit für unterschiedliche Arbeitgeber ein zu großer Zeitraum liegt. Verstehen Sie dies nicht falsch: Selbstverständlich sollen Sie solche biographischen Lücken nicht durch Lügen füllen. Trotzdem kann es nicht schaden, sich bereits im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wie man solche Durststrecken am besten begründet. Denn jedem dürfte klar sein, dass Antworten, wie das bekannte „ich habe nur Absagen bekommen“ oder „ich brauchte eine Pause“ eher schlecht ankommen, weist ein Bewerber mit ihnen doch die Verantwortung von sich.

  2. Fragen zur Kündigung: Der Grundsatz, dass die persönlichen Erfolge eines Bewerbers das Interesse des Arbeitgebers erwecken, lässt sich auch auf Misserfolge übertragen. Sollten Sie daher im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs einmal auf eine Kündigung angesprochen werden, bleiben sie ruhig. Selbst wenn Sie tatsächlich keine Schuld trifft und Ihr ehemaliger Chef für Ihre Entscheidung verantwortlich ist, sollten Sie unbedingt von Schuldzuweisungen an dessen Adresse absehen. Bleiben Sie lieber professionell und diskret; begründen Sie die Aufkündigung des Arbeitsverhältnisses stets sachlich und legen Sie Ihre Position ganz nüchtern dar.

  3. Fragen zum Privatleben: Obwohl es nicht zur guten Schule gehört, Fragen zum privaten Dingen aus dem Leben eines Bewerbers zu stellen, neigen manchen Personaler durchaus dazu, diese Grenze zu überschreiten. Vor allem junge Frauen machen immer wieder Erfahrung, dass sie auf ihre Familienplanung angesprochen werden. Denn nahezu jedes Unternehmen möchte vermeiden, eine Person einzustellen, die sich bereits nach kurzer Zeit in den Mutterschutz verabschiedet. Allerdings besteht kein Grund zur Sorge – bei Fragen, die auf Ihre persönlichen Lebensumstände abzielen, dürfen Sie getrost die Unwahrheit sagen.