Gedanken zur Bewerbung: Seien Sie einzigartig!

Wie Sie aus der Bewerbermenge hervorstechen

Wer beruflich mit großem Erfolg durchstarten möchte, sollte früh die Weichen dafür stellen und bereits in Studium und Ausbildung ein Höchstmaß an Disziplin zeigen, um einen potentiellen Arbeitgeber mit einer guten Abschlussnote und fachlicher Kompetenz zu überzeugen. Gehört man zu den besten seines Faches, so sind auch die Chancen auf eine hohe berufliche Position sehr hoch. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass nicht jeder Absolvent zu den besten gehören kann. Müssen sich nun alle Studenten, deren Abschlussnote schlechter als 2,5 ist, darauf einstellen nur Chancen auf Stellen zu haben, die von den Jahrgangsbesten abgelehnt werden? Sofern man nichts anderes als den unterdurchschnittlichen Abschluss vorweisen kann, dann lautet die Antwort: ja.

Anstatt nun den Kopf in den Sand zu stecken und sich mit dem erworbenen Hochschulabschluss auf eine Tätigkeit zu bewerben, deren Anspruch unter den eigenen Fähigkeiten liegt, sollten Sie sich fragen, mit welchen persönlichen Kompetenzen und Erfahrungen Sie einen potentiellen Arbeitgeber überzeugen könnten. Kurzum: Wie präsentiere ich mich einzigartig?

Zum einen sind Sprachkenntnisse gefragt. Warum sind Sie noch nicht auf die Idee gekommen eine Sprache zu erlernen, die in nächster Zukunft immer wichtiger wird, aber hierzulande von wenigen Menschen beherrscht wird — z.B. Chinesisch. Oder wie wäre es mit etwas eher Ungewöhnlichem? Es gibt beispielsweise hierzulande wenige Menschen, die Marokkanisch als Fremdsprache erlernt haben. Dies wäre auf jeden Fall eine Nische, die Sie einzigartig machen würde. Es gibt sicherlich Unternehmen, die jemanden suchen, der zugleich Deutsch und dialektfreies Marokkanisch beherrscht. Ist man der einzige mit dieser Referenz, dann stünde der Einstellung wenig im Wege. Also: Wenn Ihnen das Erlernen einer Sprache liegt, nutzen Sie diese Kompetenz, um sich damit eine wertvolle Nische zu schaffen!

Besondere Erfahrungen sollten in einem Bewerbungsgespräch nicht unter den Tisch gekehrt werden. Wer beispielsweise davon berichtet, dass er als Weltenbummler rund um den Globus gereist ist oder ungewöhnliche Nebenjobs gemacht hat, zeigt damit, dass er ein aktiver und interessierter Mensch ist — und zugleich unkonventionelle Erfahrungen gemacht hat. Unternehmen wollen keine Bewerber, die nur für den Besuch von Lehrveranstaltungen aus ihrem Stapel Bücher herausgekrochen sind und soziale Kontakte vermieden haben. Ein solcher (böse gesagt) „Sozial-Analphabet“ wird trotz einer Abschlussnote von 1,0 nicht unbedingt die besten Einstellungschancen haben. Also: Präsentieren Sie sich als offener, vielfältig interessierter und sozial kompetenter Mensch!

Benennen Sie auch ungewöhnliche Erfahrungen! Auf der Suche nach seiner persönlichen Einzigartigkeit sollte man sich auch die eigenen Schwächen vor Augen führen. Wenn Sie zu beispielsweise zu den Menschen gehören, die sich mehr Zeit für eine Tätigkeit nehmen (müssen), dann ist davon auszugehen, dass Sie gründlicher arbeiten als jene, die überschnell alles erledigen. Je nachdem welcher Typ Sie sind, heben Sie entweder hervor, dass Sie sehr gewissenhaft arbeiten oder sehr schnell in Ihrem Handeln sind. Eine Kombination aus beidem ist selbstverständlich das Optimum, bleiben Sie jedoch realistisch und ehrlich. Also: Machen Sie sich ihre Schwächen bewusst und überlegen Sie, inwiefern diese auch als Stärke genutzt werden können.

Aber auch ganz banale Dinge können Sie einzigartig machen. Häufig sortiert ein Arbeitgeber schon anhand des optischen Eindrucks „die Spreu vom Weizen“. Es ist jedem klar, dass dieser bei einem Bewerber in abgenutztem Konfirmationsanzug — aus Zeiten mit 30 kg weniger auf den Rippen — oder im T-Shirt mit dem Logo seiner Lieblings-Metalband sogleich das Wörtchen „Next“ vor sich schweben sehen wird. Auch wenn es vielen nicht schmecken mag, gilt hier (wie so oft im Leben) der Spruch „Kleider machen Leute“. Machen Sie sich so schick wie möglich! Vielleicht rümpfen Ihre Mitbewerber die Nase, wenn sie Sie mit Einstecktuch und Lackschuhen sehen. Doch genau damit können Sie aus der Masse herausstechen — und wenn die anderen Bewerber unwillig sind sich vernünftig zu kleiden, dann ist das deren Problem. Also: Achten Sie auf die äußere Form und heben Sie sich von der Masse ab. Seien Sie lieber overdressed als underdressed.

Gehen Sie in die Offensive! Einer der größten Fehler, den man bei Bewerbern beobachtet, ist falsche Bescheidenheit. Viele Menschen halten es für eine Tugend „ihr Licht unter den Scheffel zu stellen“. Letztendlich gewinnen aber meistens die, die sich selbstsicher als kompetent präsentieren. Zeigen Sie, dass Sie voll von Ihrer Person, Ihren Kompetenzen und zukünftigen Planungen überzeugt sind. Personen, denen alles aus der Nase gezogen werden muss, gibt es zuhauf. Seien Sie der „Macher“ unter den Bewerbern! Bleiben Sie hierbei jedoch realistisch und fangen Sie auf keinen Fall an zu lügen — im Sinne von: „Ich habe Theologie studiert, aber ich habe das Know-How, um ein DAX-Unternehmen zu führen.“ Begründen Sie möglichst ausführlich, warum Sie sich für die Stelle geeignet halten. Bewerben Sie sich beispielsweise in einer Werbeagentur, so präsentieren Sie interessante Einfälle, die Ihnen bereits auf diesem Gebiet gekommen sind. Liegt die Zuständigkeit im Bereich der Mitarbeiterführung eines Wirtschaftsunternehmens, dann kann Ihnen der Verweis auf erworbene Soft Skills im sozialen und pädagogischen Bereich wertvolle Pluspunkte verschaffen. Also: Seien Sie nicht bescheiden! Begründen Sie möglichst in allen Punkten, warum gerade Sie der Richtige für die Position sind!

Aus rein logischen Gründen gibt es kein Patentrezept dafür wie man sich als einzigartige Person präsentiert — denn wenn es ein solches gebe, dann wäre das Profil ja nicht mehr einzigartig. Der Weg dahin sich seiner Einzigartigkeit bewusst zu werden und zu lernen, wie man diese am überzeugendsten präsentiert, kann ein langer Weg sein. Beobachten Sie sich selbst! Was unterscheidet Sie von anderen und wie können Sie diese Fähigkeit am besten anderen gegenüber verkaufen? Es lohnt sich ein Blick in unkonventionelle Bewerbungsratgeber zu werfen. Die üblichen Tipps kennen alle Bewerber. Finden Sie Ihren ganz persönlichen Zugang zur Präsentation Ihrer eigentümlichen Einzigartigkeit!

Literaturhinweis: Christoph M. Maier, Holger Stein
„Einzigartig bewerben — Wie Sie aus der Bewerbermenge hervorstechen.“
Beltz Taschenbuch Broschiert — 240 Seiten, 16,90 EURO
2., aktualisierte Auflage 2006
ISBN 3–407-22617–9