Im Vorstellungsgespräch überzeugen: Wie Sie sich richtig vorbereiten

Authentisch und vorbereitet sein – geht das?

Die zwei Maximen für eine gelungene Selbstpräsentation sind: 1. Seien Sie authentisch! 2. Seien Sie vorbereitet! Aber schließt nicht das eine das andere aus? Im Gegenteil. Wenn Sie Werbung in eigener Sache machen, zeigen Sie sich von IHRER besten Seite. Das setzt eine gründliche Auseinandersetzung mit Ihren individuellen Stärken und Schwächen, die Sie im nächsten Schritt mit der angestrebten Tätigkeit abgleichen, voraus. Unerfahrene Bewerber neigen dazu, vorbereitete Gespräche mit Schauspielerei zu verwechseln, was dazu führt, dass Musterantworten aus Bewerbungsratgebern im Gespräch wiedergekäut werden und ein völlig falsches Bild vom Bewerber vermitteln. „Dann lieber authentisch“, denkt der Grünschnabel, „ich gehe einfach hin, so wie ich bin.“ Keine gute Idee, denn Nervosität und der Eindruck von Desinteresse führen ins sichere Aus. „Alte Hasen“ begehen oft den Fehler, sich auf ihre Erfahrung zu verlassen, nach dem Motto: „Vorbereiten? Hab ich nicht mehr nötig.“ Wetten, dass?

Das Ziel, das „Spiel“ und seine Regeln

Letztlich geht es in einem Vorstellungsgespräch um Folgendes: Der Arbeitgeber möchte wissen, ob Ihre Persönlichkeit und Ihr Fachwissen zum Unternehmen und zur ausgeschriebenen Stelle passen. Eine Fehlbesetzung kostet ihn viel Geld. Sie als Bewerber möchten herausfinden, ob die Stelle und der Arbeitgeber Ihren Vorstellungen bezüglich dessen entsprechen, was Sie leisten können und wollen, in welchem Umfeld und unter welchen Bedingungen. Obwohl jedes Vorstellungsgespräch anders ist, gibt es gewöhnlich eine relativ feste Grundstruktur im Gesprächsablauf und wiederkehrende Elemente hinsichtlich Fragestellungen und Themen.

► Die 5 Phasen eines Vorstellungsgesprächs

Phase 1: Warm-Up
Der Bewerber kommt an. Mit sogenannten „Eisbrecher-Fragen“ wärmen sich die Gesprächspartner auf und schaffen eine möglichst lockere Atmosphäre.
Typische Fragen:
- „Haben Sie gut hergefunden?“
- „Wie sind Sie hergekommen?“
Wichtig: Bei der Begrüßung: Fester Händedruck, Blickkontakt, Lächeln
No Go: Unaufgefordert hinsetzen; Smalltalk-Fragen als „Laberanlass“ auffassen

Phase 2: Kennenlernen
Das Unternehmen stellt sich vor (Zahlen, Daten, Fakten, Firmenphilosophie). Der Bewerber stellt sich vor (Lebenslauf, berufliche Herkunft und Ziele). Vor der Selbstpräsentation fragen viele Arbeitgeber den Bewerber, was sie bereits über das Unternehmen wissen.
Typische Fragen:
- „Was wissen Sie über unsere Firmenphilosophie?“
- „Was haben Sie von …. bis … gemacht?“
- „Wieso haben Sie Ihre erste Ausbildung/Ihr Studium abgebrochen?“
Wichtig: In der Lage sein, den beruflichen Werdegang kurz und interessant zusammen zu fassen; Lücken und ungewöhnliche Daten aus dem Lebenslauf erklären können; mindestens auf der Webseite des Arbeitgebers gut über ihn recherchiert haben
No Go: Zu viele private und beruflich irrelevante Informationen; Werdegang „zusammenstottern“; unzureichend über Arbeitgeber informiert sein

Phase 3: Abgleichen
Das Kennenlernen wird vertieft, indem der Bewerber auf „Herz und Nieren“ geprüft wird, um sich ein möglichst genaues Bild von seiner Persönlichkeit, seinen Hard Skills und Soft Skills und seiner Motivation zu machen. Der Bewerber erfährt wichtige Details über Art, Bedingungen und Konditionen der geplanten Einstellung und das Unternehmen erfährt Genaueres über die letzten Positionen des Bewerbers, seine Erfahrung und seine Wünsche und Ziele. Passen Bewerber und Arbeitplatz zueinander? Entspricht man gegenseitig seinen Vorstellungen? Wo wäre noch Handlungsbedarf?
Typische Fragen:
- „Welche beruflichen Ziele streben Sie an?“
- „Welche Tätigkeiten haben Sie in Ihrer letzten Position ausgeführt?“
- „Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?“
- „Wieso wurden Sie von Ihrem letzten Arbeitgeber gekündigt?“
Wichtig: In der Lage sein, drei eigene Stärken mit Beispielen zu kennen; zwei möglichst harmlose Schwächen vorbereiten und bereits Lösungen hierfür nennen; eigene Fragen stellen; Gelassen auf Stressfragen reagieren; auf Gehaltsfrage seriös und sicher antworten
No Go: An Standardfragen scheitern; schlecht über vorherige Arbeitgeber oder Arbeitskollegen sprechen; bei Schwächen mit „Perfektionismus“ antworten; keine Beispiele für angebliche Stärken nennen können

Phase 4: Rückfragen
Besonders der Bewerber bekommt hier noch einmal Gelegenheit, Fragen zum Unternehmen, zu den Aufgaben und Einstellungskriterien zu stellen. Viele Arbeitgeber ziehen aus diesen Fragen Rückschlüssen auf das Interesse des Bewerbers und seine Aufgewecktheit. Die Fragen hierbei sollten jedoch gehaltvoll sein und nicht bloß „des Fragen willens“ gestellt werden. Die eigenen Fragen sollten nicht den Eindruck vermitteln, dass Sie eine übermäßige Bringschuld auf Arbeitgeberseite sehen.

Phase 5: Abschluss
Das formale Ende des Vorstellungsgesprächs bietet die Möglichkeit, das eigene Bild noch einmal abzurunden, vertragliche Dinge zu klären und den weiteren Verlauf des Auswahlprozesses in Erfahrung zu bringen.
Typische Fragen des Bewerbers:
- „Wann darf ich mit einer Entscheidung Ihrerseits rechnen?“
- „Gibt es weitere Schritte im Auswahlverfahren?“
Wichtig: Professionelles Auftreten, bis Sie aus der Sichtweite des Firmengeländes sind; auch beim Abschied fester Händedruck, Lächeln und Augenkontakt; sich für das Gespräch bedanken
No Go: Aus Erleichterung allzu lockere Gesprächsäußerungen; den Arbeitgeber hinsichtlich einer Entscheidung unter Druck setzen

Ihre Checkliste für eine gute Vorbereitung

- Sie haben Ihre Persönlichkeit, Ihre Fähigkeiten, Ihren Marktwert und Ihre Motivation für Ihre Bewerbung reflektiert und können Ihre Erkenntnisse verbalisieren
- Sie haben zu erwartende Redeblöcke (Wiedergabe der Vita, individuelle Antwort auf Standardfragen, eigene Fragen) geübt und können diese flüssig wiedergeben, ohne dass es auswendig gelernt klingt
- Faktor M (Mensch): Sie können ggf. auf nette berufliche Anekdoten zurückgreifen, die Sie sympathisch und kompetent erscheinen lassen, oder Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Gegenüber, sofern bekannt, erwähnen
- Nutzen Sie Muster-Antworten aus Bewerbungsratgebern, um zu wissen, was erwartet wird. Und dann übertreffen Sie diese Erwartungen mit Ihrer individuellen Darstellung.