Die Nutzung von Social Media in Bewerbungen

Der Online-Auftritt

Neben korrekt und ansprechend gestalteten Bewerbungsunterlagen wird es immer wichtiger auch im persönlichen Online-Auftritt einen positiven Eindruck zu erzeugen. Die Zeiten, in denen so genannte „Internet-Ausdrucker“ (also Menschen, die das Internet nicht nutzen) in den Chef-Etagen und den Personalabteilungen sitzen, sind vorbei. Zudem hat sich die Bedeutung von Social Media in der jüngsten Vergangenheit immer mehr vom rein privaten Bereich zu einer Möglichkeit der öffentlichen Darstellung der eigenen Person entwickelt. Sprach man vor wenigen Jahren noch vom „Online-Stalken“, wenn das Profil einer nicht näher bekannten Person aufgerufen wurde, so ist dies mittlerweile eine selbstverständliche Form sich über Menschen zu informieren.

Im Newsletter des vergangenen Monats beschäftigten wir uns unter anderem mit der Pflege des persönlichen Online-Auftritts. Nun geht es um die Frage, ob — beziehungsweise wie — es sinnvoll ist, das Social-Media-Profil in die Bewerbung einzubauen. Hierbei müssen einige Punkte betrachtet werden:

Art des Unternehmens

Handelt es sich um ein klassisch ausgerichtetes Unternehmen (beispielsweise eine renommierte Bank) so ist es nicht sinnvoll, die Bewerbung „zu modern“ zu gestalten und man sollte dabei auf Social-Media-Content verzichten. Ist dies schwierig zu bewerten, so kann als Bewertungsgrundlage betrachtet werden, ob das Unternehmen auf eine schriftliche (also auf Papier gedruckte) Bewerbung besteht oder ob auch Online-Bewerbungen möglich sind. Es liegt auf der Hand, dass man sich bei dem Versuch, einer schriftlichen Bewerbung z.B. den persönlichen Facebook-Auftritt (womöglich in Form von gedruckten Seiten) beizulegen, der absoluten Lächerlichkeit preis geben würde. Auch eine ergänzende E-Mail im Sinne von „Gucken Sie sich doch bitte mal mein Xing-Profil an“ dürfte nicht sehr überzeugend wirken.

Werden auch Internet-Bewerbungen akzeptiert (per E-Mail oder über ein Online-System), so deutet dies auf eine „internet-affine“ Unternehmensphilosophie hin, die Freiraum für eine kreativere Gestaltung der Bewerbung — mit integrierten Online-Auftritt — bietet.

Widerspruchsfreiheit und zusätzliche Informationen

Wenn Sie sich für die Angabe Ihres (oder Ihrer) Profile in den sozialen Medien in Form eines Links entscheiden, so muss die Betrachtung Ihres dortigen Auftritts einen Mehrwert für die an Ihnen interessierte Person bieten. Wenn dort genau das gleiche steht wie in Ihrer Bewerbung, dann macht dieser Verweis keinen Sinn. Es wäre für den Bewerbungsempfänger reine Zeitverschwendung sich den Online-Auftritt anzusehen.
Ein absolutes „No-Go“ sind Widersprüche zwischen der eigentlichen Bewerbung und den Daten in Ihren Internet-Profilen. Wenn Sie beispielsweise im Anschreiben behaupten, dass eine Tätigkeit in der Tourismus-Branche perfekt zu Ihnen passen würde, aber bei Xing in erster Linie nach einer Arbeit im Bereich Maschinenbau suchten, dann würde dies nicht nur zu kritischen Fragen führen, sondern mit recht hoher Wahrscheinlich Ihre Einstellungschancen massiv verringern. Dies gilt insbesondere bei der Nennung der persönlichen Stärken und Qualifikationen.

Form des Hinweises auf den Online-Auftritt

Achten Sie darauf, dass Ihr Social-Media-Profil ohne großen Aufwand aufgerufen werden kann. Wenn Sie in Ihrer Bewerbung eine Verlinkung einbauen, dann muss diese anklickbar sein. Es ist sinnfrei und zudem äußerst hässlich, wenn in einer PDF-Datei der lange „Rattenschwanz“ einer Internet-Adresse in reinem Textformat geschrieben steht. Kein Mensch wird sich die Mühe machen, eine lange Zeichenfolge abzutippen, um so das Profil aufzurufen. Ist eine Verlinkung (z.B. in einem eigens für Bewerbungen eingerichteten Online-System) nicht möglich, Sie aber dennoch davon überzeugt sind, dass Ihr Web-Auftritt die Attraktivität Ihrer Bewerbung erhöhen kann, dann können Sie bei Ihren Kontaktdaten auch kurz benennen, wie Ihr Profil aufzurufen ist, z.B. in der Form „Xing: Maximilian Mümmelmann“. Diese Form stellt dieses soziale Medium als eine mit der Telefonnummer oder E-Mail-Adresse vergleichbare Kontaktadresse dar. Sollten Sie über einen häufiger vorkommenden Namen verfügen, so müssen Sie darauf achten eine Art Zusatz zu wählen (je nach Handhabung bei der jeweiligen Plattform), dass auch tatsächlich Ihr Profil und nicht etwa das eines Namensvetters aufgerufen wird.

Inhalte im sozialen Medium

Man sollte sich sorgfältig überlegen, welche Online-Inhalte Ihre Bewerbung sinnvoll ergänzen können. Dafür eignen sich Arbeitsproben, weitere Kompetenznachweise (die den Rahmen der eigentlichen Bewerbung gesprengt hätten) sowie Ihr Privatleben betreffende Informationen. Es sollte bekannt sein, dass in einer Bewerbung der Punkt „Hobbies“ eher auf das Niveau eines Neuntklässlers als auf ein professionelles Bewerberprofil hindeutet. Ein Social-Media-Profil kann allerdings als Raum dafür dienen Auskunft über sportliche, musikalische oder anderweitig interessante Freizeitbeschäftigungen zu geben. Zudem kann die Wirkung von Fotographie gewinnbringend eingesetzt werden. In eine Bewerbung gehört in den meisten Fällen nur ein Foto hinein. Manche Unternehmen verzichten in ihrem Online-Bewerbungssystem sogar gänzlich auf die Möglichkeit dort ein Foto hochzuladen, da nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz dies nicht mehr gefordert werden darf (um Menschen nicht aufgrund von mangelnder Schönheit zu diskriminieren). Die Angabe Ihres Online-Profils bietet Ihnen hier die Chance, sich von Ihren schönen und aktiven Seiten darzustellen. Ein tolles Foto, das Sie vor dem Eiffelturm oder bei einer päpstlichen Audienz zeigt, hat in einer Bewerbung selbstverständlich nichts verloren. Doch vielleicht ist der Personalchef beim Betrachten dieser Bilder in Ihrem Online-Auftritt so entzückt, dass dies bei einer knappen Entscheidung zwischen zwei Kandidaten diesen zu einer Entscheidung zu Ihren Gunsten bewegen könnte.

Ob die Angabe von Online-Profilen eher Vorteile oder Gefahren bietet, lässt sich nicht eindeutig sagen. Sie sollten es sich sehr gut überlegen, ob die genannten Vorteile in Ihrem Fall zutreffen oder nicht. Sollten Sie Bedenken bezüglich der Seriosität oder Vollständigkeit Ihres Auftritts haben, so verzichten Sie im Zweifel lieber auf diese Angabe. Denken Sie dann aber dennoch daran, dass Personaler auch gegen den Willen der Bewerber deren Profile besuchen könnten. Dass Fotos von wilden Trash-Parties oder Ihrem Lieblings-Fetischclub dort nichts zu suchen haben, versteht sich von selbst

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