Syrischer Flüchtling wird zum IT Consultant

Muhannad Fakhouri setzt sich mit Erfolg gegen eine Reihe von Mitbewerbern durch

Mit sofortiger Wirkung hat Weissenberg einen neuen Mitarbeiter eingestellt. Was sich zunächst nach einem eher gewöhnlichen Vorgang anhört, ist im vorliegenden Fall allerdings eine besondere Erwähnung wert. Denn mit Herrn Fakhouri ist nicht nur ein neuer Junior IT Consultant, sondern auch ein Flüchtling Mitglied des Teams geworden. Der Dreiundzwanzigjährige stammt aus dem syrischen Aleppo und ist vor dem Krieg nach Deutschland geflohen. Auf den großen Enthusiasmus der Anfangszeit folgte jedoch bereits rasch Ernüchterung. In diesem Zusammenhang bemerkt Herr Fakhouri, dass es entgegen zahlreicher Gerüchte, die er bereits in seiner Heimat gehört hatte, in Deutschland weder ein Haus noch Arbeit für ihn gab. Vielmehr stellte er fest, dass niemand einen Plan für seine Zukunft entworfen hatte.


Dabei handelt es sich um eine Situation, in der sich die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge wiederfindet. Da die Behörden gegenwärtig große Schwierigkeiten mit einer zeitnahen Bearbeitung der Asylanträge haben, sind lange Wartezeiten die Regel, mit der Folge, dass keine Arbeitserlaubnis besteht und die Menschen somit kaum etwas für ihre Situation tun können. Und selbst in den wenigen Fällen, in denen Flüchtlinge das Recht haben, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, geben die Zahlen nur wenig Anlass zu Enthusiasmus. Einer Umfrage der FAZ zufolge sind gegenwärtig insgesamt 44 Prozent der erwerbsberechtigten Flüchtlinge arbeitslos. Im Juni 2016 sollen gar 131.000 Flüchtlinge ohne Job gewesen sein. Andere Kalkulationen deuten zudem darauf hin, dass diese Situation einer negativen Tendenz unterliegt. In diesem Zusammenhang gehen Experten davon aus, dass die Anzahl erwerbsloser Geflüchteter gegenwärtig um etwa 10.000 pro Monat wächst.


Man darf annehmen, dass diese Gesamtlage viele Arbeitssuchende demotiviert. Nicht aber im Falle von Herrn Fakhouri, der sich mit Erfolg gegen eine Reihe von Mitbewerbern durchgesetzt hat. Geschäftsführer Milad Safar weist jedoch darauf hin, dass seine Einstellung nichts mit seiner Herkunft zu tun habe. Als leistungsorientiertes Unternehmen komme es für Weissenberg darauf an, kompetente Spezialisten einzustellen; ebenso wichtig sei es, fähigen Menschen eine Chance zu geben. Allerdings müsse man feststellen, dass kaum ein Flüchtling das Potential von Herrn Fakhouri aufweise.
Tatsächlich lässt dessen Lebenslauf das Streben nach Weiterbildung erkennen. Noch vor seiner Einreise nach Deutschland hat Herr Fakhouri in der Türkei eine Fortbildung absolviert und ehrenamtlich als App-Entwickler für Hilfsorganisationen gearbeitet. Daran kann man erkennen, dass selbst die schwierigen Bedingungen von Flucht und Auslandsaufenthalt den jungen Mann nicht davon abgehalten haben, für seinen Erfolg zu arbeiten – eine Eigenverantwortung, die, wie Herr Fakhouri feststellt, viele Flüchtlinge vermissen lassen. Die Bereitschaft, Migranten einzustellen, ergibt sich aber auch aus der Philosophie von Weissenberg, der zufolge sich das Unternehmen seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und gern einen Beitrag zur Integration leisten möchte.


Weissenbergs Vorreiterrolle zeigt sich auch daran, dass bis Juni 2016 lediglich 54 Flüchtlinge von Dax-Konzernen eingestellt wurden. Dass dabei womöglich auch Hemmungen gegenüber Fremden eine Rolle spielen, hält Safar zwar nicht für ausschlaggebend, will es aber auch nicht gänzlich ausschließen. Für ein solches Unbehagen bestehe angesichts der Vorteile, die die Beschäftigung von Leuten aus dem Ausland mit sich bringe, allerdings kein Anlass. Nicht nur werde dadurch dem akuten Fachkräftemangel begegnet, sondern auch neue Perspektiven in ein Unternehmen gebracht. Darüber hinaus sei die Einstellung eines Flüchtlings weit weniger kompliziert, als viele annehmen. Das wichtigste sei die Arbeitserlaubnis. Sofern diese vorliege, könne das Beschäftigungsverhältnis auch schon beginnen. Falls dann noch die Notwendigkeit besteht, dem neuen Mitarbeiter bessere Deutschkenntnisse zu vermitteln, haben viele Unternehmen die Möglichkeit Sprachkurse anzubieten.


Shelterbox

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